Alltag
Nach zehn Tagen im Bergdorf und vier Tagen Konferenz mit 600 Teilnehmern fühle ich mich nach meiner Rückkehr müde (wie im Jetlag seit 3 Tagen) und dementsprechend entrückt. Es war ein guter Kongress - und auch die Rückmeldungen sind positiv. Und doch - die Euphorie danach wird anscheinend von Jahr zu Jahr weniger.
Jetzt hänge ich untertags im Büro herum, schaue apathisch durch die Gegend und schreibe vereinzelte Mails. Ruhe ist eingekehrt und doch sammeln sich die Arbeiten für die nächsten Wochen. Aber auch der Urlaub naht mit Riesenschritten. In zwei Wochen geht es mal kurzfristig in die Türkei zum Ausspannen - das ist doch mal ein überschaubares Ziel.
Ein verregneter Samstagvormittag mitten in den Kalkalpen in einer schönen Jahrhundertwendevilla lässt mich auf die letzten wochen zurückblicken, während die mitreisende Freundin noch ein Vormittagschläfchen macht, und wir uns auf die geführte Nachmittagstour freuen.
Da war zum Beispiel dieses schöne Wochenende in Wien, Treffen mit lieben Freundinnen, gutes Essen, Bücher gekauft - zum Drüberstreuen eine Reihe an durchaus erfolgreichen beruflichen Terminen und ein äußerst angenehmes Treffen mit einem ganz lieben Exfreund, haben das Ganze zu einem sehr angenehmen Erlebnis gemacht. Mittlerweile zischen die Mails in regelmäßigen Abständen hin und her und ein ganz leises Kribbeln macht sich bei mir breit.
In der Arbeit hingegen wird alles gerade immer geschäftiger. Ein Haufen an Projekten liegt auf meinem Schreibtisch, multitasking ist wieder angesagt, während sich das Jahr durch sonst durch häufige Personalwechsel, zusätzliche studentische Hilfskräfte und dadurch auch erhöhten Arbeitsaufwand auszeichnet. Eigentlich wollte ich ja ab Herbst Stunden reduzieren, um mehr Zeit für private Projekte und Reisen zu haben. Ob dies dann überhaupt möglich sein wird, wird sich auch noch zeigen.
Neben diesen und noch weiteren Wochenendausflügen werde auch gerade weitere Urlaube angedacht. Eine Woche irgenwo am Meer im Oktober und Südostasien (Laos, Vietnam) für den Jahreswechsel wird gerade angedacht.
Ach ja, und dann gibt es ja auch noch meine Couchgäste - die manchmal mehr und manchmal weniger interessant sind, aber immer eine Bereicherung darstellen. Letztens war eine ganze spanische Familie zu Gast, was dann spannend aber doch auch recht eng war. Außerdem hat nur einer von den dreien Englisch gesprochen, was für mich verkopften auf sprachliche Kommunikation fixierten Menschen, dann doch auch ein bisschen anstrengend war.
Also - insgesamt geht es mir weiterhin sehr gut - ich habe noch haufenweise fotos, die ich endlich hier hochladen möchte (allerdings brauche ich da meinen compi zuhause mit der bildbeartung), und ansonsten warte ich weiterhin was das leben noch so bringen wird - aber es macht gerade Spass - das Warten....
silmanja - 25. Jul, 11:59
Gemeinhin bin ich wohl eher dem burschikosen Typ zuzurechnen. Ich trage fast immer Hosen, meine Schuhe sind grundsätzlich flach und bequem, als Schminke verwende ich nur einen Kajal um die Augen und beim Friseur ist mein wichtigstes Kriterium für den Schnitt dass er nicht geföhnt werden muss. Hin und wieder habe ich aber einen Anfall, der mich dazu bringt die geballte Weiblichkeit auszupacken, in ein schönes Kleid zu schlüpfen, ganz tief in die Kriegsbemalungstöpfe zu greifen und Schuhe anzuziehen über dessen Nutzung ich mich (und meine Füße noch viel mehr) stundenlang ärgern können.
Letzte Woche war einer dieser denkwürdigen Tage. Ich durfte meinen Präsidenten auf einen Empfang (dresscode: formal - auch das musste erst gegoogelt werden was es eigentlich bedeutet) begleiten. Das schöne, sauteure, aber trotzdem recht kurze Seidenkleid (welches ich auch deswegen nur so selten anziehe, weil es nur chemische Reinigung verträgt), die Schühchen (siehe oben) angezogen, Kontaktlinsen eingesetzt, Schmuck natürlich auch und Schminke was das Zeug hält. Da sind wir also losgetrippelt an einem schönen Sommerabend in Brüssel in eine noch schönere location - veranstaltet von einem eher technischen Dachverband, mit entsprechend hohen Männeranteil unter den Gästen.
Und dann merke ich im Laufe des Abends die vielen Blicke nicht nur in mein Gesicht, die Blicke auf meine Beine und die vielen achso zufälligen Berührungen an meinen Händen und Armen - und bin hin- und hergerissen. Einerseits tut es gut, diese Bewunderung, andererseits ist es anstrengend, so umworben zu werden. Als ich aufstehe um wohin zu gehen, verfolgen mich zahlreiche Blicke während meines trippelnden Ganges. Und auch das Netzwerken fällt auf einmal viel leichter. Schön wars - und leicht beschwipst wandern wir dann in der hellen Brüsseler Nacht zum Hotel, um und dort noch einen Absacker zu genehmigen. Ich bin müde und zufrieden, und verdränge auch kurz, dass ich am nächsten Tag um fünf Uhr in der Früh ins Taxi steigen musste, um meinen Flieger nach Hause zu erwischen.
silmanja - 26. Jun, 14:19
...oder: was ich in den letzten wochen erfahren durfte:
1) Offensichtlich gibt es in Europa eine ganz erkleckliche Anzahl an Studierenden aus Hongkong und Taiwan, welche - für ein Semester dem Leistungsdruck zuhause entkommen - nun in Europa auf den Putz hauen. Ich durfte die Vielreisenden kennenlernen. Europa kennelernen - auch eine Art Studium - vor allem, da sie auf der Uni nur durchkommen müssen, und der Notendurchschnitt für sie zum ersten Mal nicht ausschlaggebend ist.
2) Aus der Europawahl habe ich wieder einmal gelernt, dass man die Kronenzeitung lesen muss, um die Stimmung im Lande mitzubekommen. Hätte ich nie gedacht, dass Hans Peter Martin, wieder so viele Stimmen abräumt. Hätte ich die "richtige" Zeitung gelesen, wäre mir das wohl nicht so ergangen.
3) Es gibt
Computerspiele die können eine ziemlich süchtig machen und sogar bis in den Schlaf verfolgen. Vorsicht: gebrauch auf eigene Gefahr.
4) Es gibt fünf Weisheiten des Buddha - nämlich wie man mit Zweifel, Unruhe, Trägheit, unstillbares Verlangen und Widerwillen umgeht - durfte ich in einem dreitägigen Yogawokshop lernen - manches kannte ich schon, manches war mir neu - war nett jedenfalls
5) Zahnärzte können eine ziemlich arm machen. Nachdem ich jedoch jahrelang zu keinem gegangen bin, und ergo auch keinen Cent für sie ausgegeben habe, war die horrende Rechnung des letzten Monats auch irgendwie die logische Konsequenz. Froh, bin ich jedenfalls, diesen Anfang gemacht zu haben, und meiner Angst doch auch irgendwie ein Schnippchen geschlagen zu haben - jetzt habe ich für das nächste halbe Jahr jedenfalls Ruhe.
silmanja - 13. Jun, 21:47
Puh - das Leben ist ein Wirbelwind. Nachdem ich schon im Urlaub eine dicke Backe hatte, durfte ich genau einen Tag nach meiner Rückkehr eine doppelte Wurzelbehandlung - was mich doch ein bisschen gebeutelt habe (vor allem, wo ich eines der Schmerzmittel nicht vertragen habe...)
Gleichzeitig trudeln laufend Gäste aus aller Welt auf meiner Couch ein. Zwei Jungmädels aus Hongkong und ein amerikanischer Althippie sind die Highlights der letzten zwei Wochen. Das macht Spaß ist manchmal aber doch auch ein bisschen anstrengend.
Und dann war ich die letzten Tage auch noch in Sevilla - mein erster Spanienbesuch überhaupt.
Die nächsten Wochen werden ähnlich dicht. Am Donnerstag geht es auf einen viertägigen Yogaworkshop und das darauffolgende Wochenende kommen meine Eltern zu den Pfingstfestspielen.
Langweilig ist mir gerade nicht - das ist auch gut so, und während sich die Blogideen bei mir sammeln - komme ich gerade gar nicht dazu zu schreiben. Schon blöd, entweder man hat Zeit und wenig zu erzählen, oder man hat viel zu erzählen und keine Zeit.
In diesem Sinne - bis zu meinem nächsten "Zeitloch" - dann hoffentlich mit einem kurzen Spanienbericht
silmanja - 17. Mai, 22:45
Ach ja, und dann hatte ich letzte Woche noch meine Zahn OP, die mich um zwei Zähne erleichtert hat. Ich erinnere mich allerdings nur ganz bruchstückhaft daran, dank einer kleiner Pille, die einen fast umhaut, und wenig an Erinnerungen zurücklässt - retrograde Amnesie heißt das im Fachjargon.
Wie der Arzt mich am Arm packt, kurze Erinnerungen an die OP selber, wie die liebste Freundin nach der OP am Ende vom Gang steht, wie ich Stunden später voller Genuss Erdäpfelpüree mit Spinat esse - das weiß ich noch. Dass ich Kontrolltermine vereinbart habe, mit dem Taxi nach Hause gefahren bin und auch zwischen den ganzen nachmittäglichen Schlafanfällen durchaus redefähig war - daran erinnere ich mich nicht mehr.
Jedenfalls habe ich in den Folgetagen fast keine Schmerzen, fühle mich wieder halbwegs fit, und schaue mit weitaus weniger Angst auf die nächsten Zahnarzttermine...
silmanja - 12. Apr, 09:20
Ein kanadisches Pärchen war letztens bei mir zu Besuch und wir hatten einen wunderschönen Spaziergang am Kapuzinerberg und dann auch noch ins Bräustüberl. Interessanter Aspekt war, dass beide in Polen wohnen, weil Sie polnische Wurzeln hat und weil Er dort Medizin studieren kann - was ihm in Kanada nicht möglich war. Da gibt es offensichtlich eine Universität in Krakow die nur Engländer und Amerikaner in Medizin ausbildet. Der dritte im Bunde war ein entzückender Windhund, mit dessen Hilfe wir mit unzähligen Leuten ins Gespräch gekommen sind.
Eigenartig, war dann ein Mönch der uns angesprochen hat. Wie die zwei erzählt haben, dass sie aus Krakau kommen. Auf einmal leuchten seine Augen auf, und erzählt, dass sein Vater im Krieg in Krakau war, und wie schön es nicht sei, und dass er auch einmal hingefahren sei. Ich wundere mich immer wieder - wie können ehemalige Wehrmachtssoldaten voller Begeisterung von den Orten ihres Einsatzes erzählen? Aber auch: wie unsensibel ist es, dies den Nachfahren der damaligen Kriegsopfer unter die Nase zu reiben?
silmanja - 12. Apr, 01:09
Irgendwie bin ich im Netz ja immer auf der Suche nach was neuem. Nun habe ich mir etwas ausgesucht, was auch Auswirkungen auf mein Reallife haben könnte. Ich habe mich bei
Couchsurfing angemeldet. Und da ich in einer touristisch durchaus attraktiven Stadt wohne, haben die ersten Anfragen auch nicht lange auf sich warten lassen.
Nun hatte ich bis gestern meinen ersten Gast. Und ich durfte Einblick in ein eigenartiges nomadisches Leben bekommen. M. kommt aus einem baltischen Land und ist in London Kindermädchen. Sie arbeitet immer 1-2 Wochen in der Familie und wohnt dann auch dort, während sie durchgehend im Dienst ist. Wenn sie dann frei hat reist sie mit englischen Billigfluglinien quer durch Europa. Nicht nur weil sie gerne reist, sondern auch weil sie keine fixe Unterkunft in London hat, und das Leben unterwegs für sie weitaus billiger ist, als in London ein Zimmer zu mieten. Nach Hause zu ihrem Mann fährt sie etwa einmal im Monat.
Auch eine Art mit horrenden Wohnungspreisen umzugehen und gleichzeitig in der Weltgeschichte herumzugondeln. Mir hat es jedenfalls Spaß gemacht und ich freue mich schon auf weitere Begegnungen...
silmanja - 23. Mrz, 00:51
Und kaum schaut man hin, ist das Monat schon wieder vorbei. Da sitze ich nun am Sonntag Abend, ärgere mich (wieder einmal) über das Wahlergebnis und blicke auf ein tolles Monat zurück, von dem das beste leider so pikant ist, dass ich mich darüber hier nicht ausbreiten kann.
Einiges habe ich zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder gemacht. Schifahren zum Beispiel. War mir zuletzt irgendwie immer zu teuer, zuviel Action und ökologisch korrekt ist es auch nicht wirklich. Doch bei den jetzigen Schneemengen mußte ich es einfach wieder probieren, weil ich irgendwie der Meinung war, wenn ich es jetzt nicht wieder mache, dann fange ich gar nicht mehr damit an. Und so habe ich es sogar geschafft, einen Betriebsausflug auf der Piste zu organisieren. Trotz schlechtem Wetter und Schneefall, hat das Schifahren sehr viel Spaß gemacht - und es tatsächlich so: man verlernt es nicht, auch wenn es ein bisschen holpert. Andere Dinge verlernt man übrigens auch nicht....
Ansonsten habe ich ein paar Tage grippig im Bett verbracht, um gleich darauf eine mehrtägige Dienstreise nach Brüssel zu machen. Dort war es- wie meistens - ziemlich anstrengend. Immer hübsch angezogen sein, mit viel zu hübschen Schuhen, viel zu lang über das dortige Kopfsteinpflaster hoppeln, viel Bier trinken und Fritten essen. Gleichzeitig hatten wir auch noch eine Stelle ausgeschrieben, auf die sich knapp 60 BewerberInnen gemeldet haben. Da gibt es viel zu lesen und Gespräche zu führen. Das Ergebnis hat nun leider auch für eine betroffene Person im direkten Umfeld für Unmut gesorgt, was an mir auch nicht ganz spurlos vorübergeht.
Gekoppelt mit einem insgesamt höheren Arbeitsaufwand, ist also der Monat nur so dahingeflutscht - und das Blog doch ziemlich leer geblieben. Ob Besserung in Sicht ist, traue ich mich gerade nicht abzuschätzen. So wie es ausschaut bin ich in den nächsten zehn Tagen in Wien, Bad Ischl und Brüssel. Ich werde mich jedenfalls bemühen die Frequenz wieder zu erhöhen. Bis demnächst....
Puh - heute war wieder mal so ein Montag, an dem ich mir in der Früh dachte, ich hätte gerne Erholung von dem Wochenende. Obwohl Wien sich so grau wie eh und je dargestellt hat, genoss ich äußerst umtriebige Tage dort.
- Ein spannender Gesprächstermin im Ministerium
- ein wohlschmeckendes Mittagessen bei gleichzeitigem gratis WLAN surfen im
Prückl - eines der wirklich guten Wiener Kaffeehäuser mit Flair
- ein Kaffee bei netten Plaudern im
Dohmmayer - Hietzing, as Hietzing can
- köstlichen französischen Stinkekäse mit guten Rotwein mit einer lieben Freundin in der leeren Wohnung meiner Eltern (die genau für die Zeit, die ich in Wien war, ein verlängertes Wochenende in der Steiermark verbrachten)
- einige Bierchen im
Pontoni, ein Beisl, das schon so klassisch daher kommt, das es fast schon Kult ist
- ein Sonntagsfrühstück im
Möbel, wo die Bobodichte nicht zu unterschätzen ist
- und natürlich ein herrlicher Tarockabend mit der liebsten Freundin und ihren Freundinnen.
Scheee wars, aber anstrengend - das nächste Wochenende wird wieder mehr gelümmelt.