Da wundere ich mich seit Tagen, warum mein Rucksack so schwer ist, um heute festzustellen, dass ich die ganze Zeit eine Flasche Wein mit mir herumtrage, die ich irgendwann gekauft habe, und nicht ausgepackt habe....
Das Highlight meines Wochenendes war gestern eindeutig der Film "Knowledge is the beginning" über das West Eastern Divan Orchestra. In diesem wirklich sehr berührenden Film, wird die Geschichte eines Orchesters aufgezeigt, das junge israelische und arabische Musiker jedes Jahr im Sommer zusammenbringt, und damit auch Brücken für Verständnis braucht. Barenboim (Dirigent und einer der Gründer) sagt immer wieder, dass dieses Orchester nicht den Frieden bringen wird, aber dass gegenseitiges Verständnis und Akzeptanz (nicht Toleranz, das reicht ihm nicht), und das Abbauen des Hasses wichtige Schritte sind.
Ganz begeistert war dann das Kinopublikum, wie Daniel Barenboim persönlich aufgetaucht ist (direkt vom Schlussapplaus des Eugen Onegin) mit einigen Musikern und der Witwe des verstorbenen Mitgründers Edward Said noch ein bisschen aus der Schule plauderte.
Den zweiten Teil des Abends (besser gesagt der Nacht, wir sind ja erst gegen Mitternacht aus dem Kino gekommen) hätte ich mir jedoch lieber schenken sollen. Die Bar war zwar nett mit ganz alter Musik aus den 60ern, meine Unfähigkeit rechtzeitig nach Hause zu gehen, hat sich jedoch heute bitter bezahlt gemacht.
Merke: wenn schon zuviel Alkohol, dann vorher genug Essen und nicht drei Stunden in einem Kino sitzen!
Da gibt es diejenigen, die die Nacht vor der Abreise kein Auge zu tun, vielleicht noch etwas Wäsche waschen müssen zum mitnehmen, zehntausend Dinge zu erledigen haben - wie z.B. noch Filme auf Video anzuschauen, weil man wieder leere Kasetten braucht, um die ganzen Sendungen aufzunehmen, die man während der Abwesenheit verpasst, um dann zu vergessen, dass man bei einem Österreiurlaub auch mit Schlechtwetter rechnen sollte, und nicht nur Badesachen im Gepäck - eine gute Sache wäre.
Dann gibt es diejenigen, die schon Wochen vor der Abreise lange Listen machen, alles tausend Mal durchdenken, und einen halben Hausrat mit auf den Urlaub nehmen.
Und dann gibt es noch mich, die ich ca eine Stunde vor Abfahrt auf die Idee komme vielleicht auch noch zu packen. Eigentlich bin ich meistens recht gut damit durchgekommen. Ausser vielleicht einmal wo ich einfach keine Unterhosen mithatte oder - noch besser - wie ich bei der Umsiedlung von einem Urlaubsort zum anderen, die ganze frischgewaschene Wäsche auf der Leine hab hängen lassen.
Aber eigentlich ist das wichtigste sich selbst, das Geld, das Ticket und den Pass mitzunehmen. Alles andere wird sich schon finden.
Heute nacht ist meine Wohnung der Treffpunkt meiner Schwester, die aus Wien gekommen ist und ihres Freundes, Ex Freundes, Vielleicht Freund, Begleiters, der aus Deutschland angereist kommt. Morgen fahren sie dann zu zweit nach Italien, um eine Woche später wieder bei mir einzufallen, um dann wieder getrennte Wege (oder auch nicht) zu gehen.
Das haben wir zum Anlass genommen, das Gästezimmer, welches bis jetzt eine einzige Müllhalde war, zumindest soweit umzubauen, dass hier jemand schlafen kann (wirklich kuschelig ist es ja nicht, weil es sich um ein Zimmer ohne Fenster handelt, aber deshalb heißt es laut Mietvertrag nicht Zimmer sondern Abstellraum, und deshalb kann ich mir eine Wohnung in der Größe auch leisten).
Ach übrigens: bei den hiesigen Festspielnächten wird aufgrund der Absage Netrebkos auch gleich das Gratis Open Air Programm geändert - eigenartige Sache, da gibt es eh nie einen freien Platz, und das Konzert war angeblich viermal überbucht - die machen das anscheinend ähnlich wie bei den Flügen, war mir auch neu.....
Beide Gästetypen sind ja sehr leicht zu erkennen. Bei den Sehenswürdigkeiten (z.B. der Sommerrodelbahn vor unserer Haustür) treffen sie dann aufeinander. Irgendwie ein schönes Bild, so friedlich nebeneinander ihren Urlaub genießend.
Eines Abends, wir sitzen gerade gemütlich mit einigen anderen Gästen am Abend vor dem Haus, mit gut gefüllten Bäuchen, da der Vermieter seinen Grill angeworfen hat, und jeder Gast sich sein Fleich braten lassen konnte (eine hübsche Idee übrigens) - am diesem Abend kommt also das Gespräch auf die ungewohnten Gäste aus dem Nahen Osten.
Der Tenor: Ist ja nichts dagegen einzuwenden, aber wie die mit ihrem Geld um sich werfen, das ist nicht mehr fein - das sei herablassend und wirke oft mehr als gönnerhaft. Alle nicken einhellig mit ihren Köpfen (soweit ich das in der Dunkelheit noch erkennen kann). Ich kann mich nicht zurückhalten und werfe ein, dass sie jetzt wüssten, wie sich die Leute in Südostasien fühlen, wenn wir daherkommen und Geld ausgeben, weil ja alles so billig ist. Wenn ich auch (verhalten aber doch) Zustimmung bekommen, habe ich doch ein bisschen Betretenheit am Tisch ausgelöst - stört mich aber nicht
Nach einem köstlichen Frühstück geht es mit dem Taxi zur Asitzbahn. Die gehört zum Schigebiet Saalbach und hat sich in den letzten Jahren auch im Sommer ziemlich aufgerüstet. Nicht nur, dass es einen Mountainbikeparcours gibt, der alle Stückerln spielt, es gibt auch einen "Park der Sinne", viele Veranstaltungen, und wie ich mich in der ersten halben Stunde der Wanderung überzeugen konnte, auch einen Schneekanonensee mit Kneippbereich
und Spielplätze auf den Gipfeln (wohl um die Kinderchen zum Weiterwandern zu motivieren).
Der Berg wird auch im Sommer zum Erlebnis gemacht. Ein Trend der letzten Jahre, und seitdem fahren die Bergbahnen auch im Sommer häufiger.
Danach verlasse ich den nun erlebnisorientierten Berg und gehe den Saalachtaler Höhenweg. Leicht zu gehen, immer ein bisschen abwärts und immer am Grat entlang, geht es dahin. Das macht viel Spass und irgendwie werde ich immer schneller. Bis auf eine kurze Pause in der Mitte geht es knapp vier Stunden bei Sonnenschein so dahin.
Als ich dann beim Gasthof Biberg ankomme bin ich doch froh, und freue mich über ein Glas frische Milch und einen frischen Heidelbeerkuchen. Die Aussicht ist auch nicht ohne.
Die letzten Kehren runter gehen dann ganz beschwingt, und das Highlight zum Abschluss ist dann die Sommerodelbahn, wo die letzten 300 Höhenmeter sehr schnell und vergnüglich überbrückt werden.
Gleich nach meiner Rückkehr in die Unterkunft tausche ich die Wandersachen mit den Badesachen und springe in den See ( da hats richtig zisch gemacht ;-). Ein halbes Stündchen kann ich noch gemütlich lesen bevor sich die Gewitterwand mit eindringlichem Brummen nähert. Das war alles echte Maßarbeit.
Während es immer kälter wird, verkriech ich mich ins Zimmer und verlasse dieses dann später nur um schnell Essen zu gehen und mir ein Bierchen schmecken zu lassen
Direkt neben dem Bauernhof, wo wir gewohnt haben, dieser exklusive Teich mit schönen Bergblicken, genug Liegestühlen und einem schönen frischen Wasser. Schön zum Plantschen und zum Lesen.....
Nach einer Woche auf einem schönen Bauernhof mit Badeteich bin ich wohlbehalten, aber aus unerfindlichen Gründen, müde heimgekehrt.
Wir haben einige hübsche kleine Touren gemacht, haben einen sehr feinen privaten Badesee genossen (wenn auch meine Reisebegleitung, nicht nur aufgrund des Wetters der irrigen Ansicht war, wir machen einen reinen Badeurlaub und deshalb die guten Wanderschuhe gar nicht mitgenommen hat); am Hof gab es drei ein Monat alte Katzenbabys zum Knuddeln, jeden Tag frische Milch und frische Eier - quasi direkt vom Produzenten und ganz liebe Gastgeber. Einen schweren Hagelsturm sind wir nur um wenige Kilometer entkommen, die Gewitterwand war umso beeindruckender, wie sich innherhalb von kurzer Zeit vor uns aufgebaut hat. Und auch Sommerodeln macht Spaß - wie ich feststellen konnte. Weniger Spass macht es manchmal festzustellen, dass der öffentliche Verkehr im ländlichen Raum gerade in schulfreien Zeiten oft sträflich vernachlässigt wird.
Das Niveau und die Dichte der Straßenküntler steigt. In der Trafik schildert eine Dame in blühenden Ausschweifungen pyrotechnische Bühnenangelegenheiten. - es ist Festspielzeit.
Während alles in die Stadt strömt, verabschiede ich mich für die nächste Woche. Ich mache Urlaub am Bauernhof - ganz in der Nähe, und doch eine Woche weg.
Letzte Woche war da ein Geiger, der jeden Abend vor meiner Haustür seinen Vivaldi runterspielte, und irgendwann ist mir das wie Kaufhausmusik vorgekommen. Nur kurze Zeit später las ich bei Karan von einem Experiment, wie Passanten reagieren, wenn der Stargeiger Joshua Bell sich mit samt seiner Stradivari hinstellt und eine Stunde spielt.
Herausgekommen ist dabei eine extrem lesenswerte Reportage. Ich kann nur empfehlen: Nicht am Bildschirm lesen, Ausdrucken - sich gemütlich (je nach Geschmack) zu einem Bierchen, Kaffee oder sonstigem an die frische Luft setzen und eintauchen in diesen schönen Text, der eine spannende Geschichte erzählt und dabei auch der durchaus philosophischen Frage nachgeht, was denn das Schöne ist, und wie man es erkennt.
Wohltuend und erfrischend ist das, gerade in dem hiesigen Festspielrummel.
Ein ganz eigenartiger Film ist, der leider in keinster Weise an das Buch heranreicht. Das Buch - ein exzellent geschriebenes Sachbuch, mit viel Hintergrundwissen nicht nur über die Mechanismen und die Bedeutung der Fast Food Industrie sondern auch deren historischen Entwicklung und gesellschaftlichen Auswirkungen.
Der Film - der Versuch einer fiktionalen Umsetzung, auf Schulfernsehniveau. Die Charaktere sind eher platt und die Informationsdichte ziemlich eingeschränkt. Das Thema Fast Food wird eingeschränkt auf die Thematik der mexikanischen MigrantInnen, die die Drecksarbeit machen, um den "American Way of Life" zu ermöglichen, und der Tatsache, dass während der Fleischverarbeitung Fäkalien in die Burger kommen.
Neben der schleppenden Geschichte werden viele auch detaillierte Aufnahmen von der großen Schlachtfabrik gezeigt, die abstoßend wirken sollen.
Während "Supersize Me" nur die Frage nach den gesundheitlichen Auswirkungen von Fast Food stellt (und das sehr umstritten), wird hier jedoch zumindestens die Wirtschaftsmacht und die Mechanismen aufgezeigt. Und das will ich diesem Film wirklich zugute halten. Nur schade, dass es so platt ist Da helfen auch Namen wie Bruce Willis und Kris Kristoffersen nicht wirklich.
Ja, es macht Spass - viel Entspannung, viel Dehnen und Strecken aber auch durchaus fordernde Bewegungsabläufe - kurz vor Ende wieder eine Entspannung und zum Abschluss das Bad im Klang der Klangschalen.
In den letzten Tagen wollte ich mich dann auch im Netz zu dem Thema ein bisschen kundig machen. Vor allem im Videobereich schaut das ein bisschen mager aus. Schöne Videos in guter Kulisse sind Mangelware (ganz im Gegensatz zu anderen Sporarten - z.B. Snowboarden, wo es massenhaft schöne Videos gibt, aber da ist ja auch der Männeranteil weitaus höher - unser Kurs ist ja auch ein reiner Frauenkurs)
Hier also eines der wenigen ein bisschen ansprechenderen Videos - wie das dann ausschauen kann, wenn man es wirklich kann. Zumindest vereinzelt konnte ich Positionen (Asanas) finden, die wir auch schon kennengelernt haben.
Steppenhund hatte auf seinen Heimweg von seiner Musikwoche in Erl, einen Zwischenstop in town gemacht. So konnten wir zwei vergnügliche Stunden auf einer netten Terasse mit guten Festungsblick verbringen, Kaffee trinken, über unsere beruflichen Veränderungen der letzten Monate (die ja auf beiden Seiten nicht ohne war), Festspiele und deren Orte, Ansprüche der Wissenschaft bzw. deren Kommunikation und noch einiges mehr plaudern.
Puh, das war gestern wieder einmal ein Film, der mich noch nach dem Kino beschäftigt hat. Die Geschichte der großen kleinen Edith Piaf, zusammengepackt in einem zweistündigen Film. Die Geschichte eines Straßenmädchens, das aufgrund ihrer Stimme und Ausstrahlung in den dreißiger Jahren in Paris, und später auch in den USA zum Star wird. Gleichzeitig ist es die Geschichte einer Frau, die immer wieder diejenigen verliert, die sie liebt. Und genauso gleichzeitig wird hier die Geschichte einer Frau erzählt (und das konnte ich im Netz nirgends nachgewiesen finden), die mit einem unglaublich kindlichen Gemüt, trotzig, zornig und herrisch ihre Umgebung belustigt und tyrannisiert.
Belegt ist jedoch ihre Drogensucht, die sie zwar bekämpft aber doch wieder aufnimmt, auch da sie von Rheumatismus geplagt weitersingen muss, obwohl sie eigentlich nicht mehr kann. Sehr berührend die Szene, wie ihr vom Komponisten "Non, je ne regrette rien" vorgespielt wird, und sie aufgrund des Liedes beschließt doch wieder singen zu müssen. E si non e vero, e molto ben trovato. Der Film endet mit dem Lied, das gerne auch als Bilanz ihres Lebens dargestellt wird - *schnüff*
Non je ne regrette rien -Lyrics
Non ! Rien de rien...
Non ! Je ne regrette rien
Ni le bien qu'on m'a fait
Ni le mal, tout a m'est bien gal !
Non ! Rien de rien...
Non ! Je ne regrette rien
J'ai payé, balayé, oublié
Je me fous du passé !
Avec mes souvenirs
J'ai allumé le feu
Mes chagrins, mes plaisirs
Je n'ai plus besoin d'eux !
Balayés mes amours
Et tous leurs trémolos
Balays pour toujours
Je repars á zéro...
Non ! Rien de rien...
Non ! Je ne regrette rien
Ni le bien qu'on m'a fait
Ni le mal, tout a m'est bien gal !
Non ! Rien de rien...
Non ! Je ne regrette rien...
Car ma vie, car mes joies
Aujourd'hui, ca commence avec toi !
Die Festspiele nähern sich mit riesigen Schritten. Während anderorts Bühnen aufgestellt werden, geprobt wird, sich die Prominenz für ihre zahlreichen Auftritte rüstet und die Klatschreporter schon in den Startlöchern stehen, gibt es auch ein Lebenszeichen von subbversiven Gruppen. " Wie lange wollt ihr tote Künstler noch leben lassen?" fragen diese, und geben darauf eine recht undifferenzierte Antwort....
Andererseits kann man gleich bei der Altstadt gar eigenartige Marterln besichtigen. Gar germanophobiles tut sich da auf, und das auch noch mit einem Grammatikfehler. Und Gletscher ist auch weit und breit keiner zu sehen. Wie das wohl daher kommt?
Irgendwie läuft es im Job gerade nicht richtig rund. Die Woche fängt damit an, dass unser Promi für die Pressekonferenz abspringt, und eine Sponsoringzusage, mehr als zu bröckeln anfängt.
Dann haben wir uns jetzt fast zwei Tage nicht durchringen können, eine Entscheidung nach unseren Bewerbungsgesprächen zu treffen. Wir haben dazwischen sogar eine Münze geworfen, nur um dann doch die andere Person zu nehmen. Auf der einen Seite eine Person mit viel Berufserfahrung, aber mit fehlenden Sprachkentnissen, wenig Ausstrahlung, die auch nicht das Gefühl vermittelte die Stelle haben zu wollen. Auf der anderen Seite eine Person mit wenig Berufserfahrung, vorhandenen Sprachkenntnissen, eine interessante Person, die auch zu erklären wusste, warum der Job von Interesse ist. Heute Abend haben wir es geschafft und eine Entscheidung getroffen, uff. Morgen darf ich dann anrufen und die Absagemails schreiben.
Und der Clou der letzten Tage: lasse ich an die 400 Briefe raus, um nach Druckabschluss festzustellen, dass ich die digitale Unterschrift vergessen habe - sehr peinlich......